Bürgerenergie

Energieversorgung ist Teil der Daseinsvorsorge. Diese sollte allen Menschen ein gutes und sicheres Leben ermöglichen. Sie darf nicht dem Profitstreben von Konzernen und den Ungleichheitsprozessen des Marktes überlassen werden. Eine gerechte Energiewende braucht angemessene Sozialpolitik, gezielte Förderungen, öffentliche Investitionen in Infrastrukturen, ein Ende fossiler Privilegien und Verschwendungen sowie eine gerechte Verteilung von Kosten und Nutzen.
Die Bürgerenergie kann zu mehr Gerechtigkeit und zu demokratischen Entscheidungsprozessen in der Energieversorgung beitragen, da sie eine direkte Beteiligung der Menschen vor Ort erlaubt und niedrigschwellige Möglichkeiten für Menschen mit geringem Einkommen bieten kann. Wo Bürger:innen, Landwirt:innen und Kommunen ihre Wind- und Solarprojekte selbst besitzen, bleiben Entscheidungen und Erträge in der Region. Das ist ein Kern von Bürgerenergie und ein Grund, warum wir sie für unverzichtbar halten.
PowerShift Brandenburg e.V. ist Gründungsmitglied des Landesverbands Bürgerenergie Brandenburg e.V. und arbeitet mit Energiegenossenschaften daran, Bürgerenergie und Landwirtschaft zusammenzubringen.

Was Bürgerenergie ausmacht

Sonnenblumen vor Windrad

Bürgerenergie heißt, dass die Anlagen denen gehören, die mit ihnen leben. Meist geschieht das in Form einer Energiegenossenschaft: Wer beitritt, wird Miteigentümer:in – und hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Einlage. Der Einstieg liegt bei vielen Genossenschaften zwischen 100 und 600 Euro. Damit ist Bürgerenergie eine der wenigen Formen der Energiewende, bei der Mitbestimmung nicht vom Geldbeutel abhängt.

  • Mitbestimmung statt Betroffenheit. Über Standort, Ausbau und Gewinnverwendung entscheidet die Mitgliederversammlung – nicht ein Vorstand in einer fernen Konzernzentrale.
  • Wertschöpfung, die bleibt. Bei Anlagen in Bürgerhand bleiben Schätzungen zufolge 60 bis 80 Prozent der Wertschöpfung in der Region: als Pacht, Gewerbesteuer, Aufträge für örtliche Betriebe und Erträge für die Mitglieder.
  • Akzeptanz entsteht durch Beteiligung. Wo Menschen mitentscheiden und mitverdienen, kippt die Debatte über neue Anlagen seltener in Fundamentalopposition.

Bundesweit ist daraus eine beachtliche Bewegung geworden: Nach der Jahresumfrage des DGRV zählen die rund 1.000 Energiegenossenschaften in Deutschland etwa 220.000 Mitglieder, haben rund 3,6 Milliarden Euro investiert und erzeugen jährlich etwa 8 Terawattstunden Strom.

Aktuelles aus der Bürgerenergie

Meldungen aus der Szene

28.07.2026 · BBEn, DGS und SFV
EEG-Novelle und Netzanschlusspaket gefährden Bürgerenergie und Energy Sharing
Baukostenzuschüsse, Wegfall der festen Vergütung, Redispatch-Vorbehalt: Genossenschaften trifft das besonders, weil sie regional gebunden sind. Weiterlesen …

22.07.2026 · BBEn
EEG 2027: Bürgerenergie bleibt ausgebremst
Massentaugliche Direktvermarktung für Kleinanlagen gibt es bislang nicht – eine Frist schafft keinen Markt. Weiterlesen …

09.07.2026 · BBEn
BNetzA entlässt Netzbetreiber beim Energy Sharing aus der Pflicht
Ohne standardisierte Marktprozesse bleibt der gesetzliche Anspruch für kleine Gemeinschaften kaum nutzbar. Weiterlesen …

Gemeinsam stärker: der Landesverband Bürgerenergie Brandenburg

Brandenburgs Energiegemeinschaften sind über das ganze Land verstreut und meist klein. Damit ihre Erfahrungen nicht in jedem Landkreis neu gemacht werden müssen und ihre Stimme in Potsdam gehört wird, haben sie sich zum Landesverband Bürgerenergie Brandenburg e.V. zusammengeschlossen – gegründet am 23. April 2025 im Schloss Trebnitz (Müncheberg). PowerShift Brandenburg e.V. gehört zu den Gründungsmitgliedern und hat den Gründungsprozess mit vorbereitet. Der Verband vernetzt die Energiegemeinschaften des Landes, macht sie sichtbarer und unterstützt gemeinsame Projekte. 

Gruppenbild der Gründungsmitglieder des Landesverbands Bürgerenergie Brandenburg.
Die Gründungsmitglieder des Landesverbands Bürgerenergie Brandenburg e.V., 23. April 2025 im Schloss Trebnitz.

Die sieben Mitgliedsorganisationen: Inselwerke eG · Oberhavelkraft eG · BEOS eG · Rehfelde Eigenenergie eG · ENergieGenossenschaft Westhavelland eG · Bürgerenergie Teltow-Fläming eG · PowerShift Brandenburg e.V.

Zur Website des Landesverbands · Unser Bericht von der Gründung

soNAH-Servicestelle in den Regionen Fläming-Havel und Havelland

Einige Akteure aus dem Landesverband sind im Westen Brandenburgs in der soNAH-Servicestelle aktiv. Sie berät Kommunen, Bürgerinitiativen und Energiegenossenschaften in den LEADER-Regionen Fläming-Havel und Havelland unabhängig zu Photovoltaik und Nahwärme: von der ersten Idee über Technik-, Förder- und Beteiligungsfragen bis zur Begleitung im Betrieb, einschließlich Potenzialanalysen für Dach- und Deponieflächen.

Getragen wird die Servicestelle von den Lokalen Aktionsgruppen Havelland und Fläming-Havel, finanziert als LEADER-Kooperationsprojekt (2023–2027) mit Mitteln der EU, des Landes Brandenburg und der Landkreise Havelland und Potsdam-Mittelmark. Wer vor Ort ein Photovoltaik- oder Nahwärmeprojekt anstoßen will, findet dort einen guten ersten Anlaufpunkt.

Zur soNAH-Servicestelle ›

Energy Sharing: Strom teilen, auch ohne eigenes Dach

Energy Sharing bedeutet, selbst erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien gemeinsam zu nutzen – über das öffentliche Verteilnetz und nicht über eine eigene Leitung. Eine Gruppe betreibt zusammen eine Wind- oder Solaranlage und teilt deren Strom unter ihren Mitgliedern auf. Wer kein geeignetes Dach hat, kann so trotzdem eigenen Ökostrom beziehen. In Deutschland ist Energy Sharing seit dem 1. Juni 2026 gesetzlich möglich (§ 42c EnWG) – steht aber erst am Anfang und vor etlichen Hemmnissen.

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Mehr Informationen

Projekte zum Energy Sharing

Erste Vorhaben zeigen, wie gemeinschaftliche Stromnutzung praktisch aussieht. Wir sammeln sie hier und ergänzen die Liste:

  • SkIES – Skalierbare Integration von Energy Sharing
    Forschungsvorhaben der FfE, gestartet Ende 2025 und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. In drei Feldversuch-Clustern wird untersucht, unter welchen technischen und regulatorischen Bedingungen gemeinschaftliche Energienutzung in Deutschland in die Breite kommt.
  • BEG Köllertal: „Direktstrom“ (Saarland)
    Die Bürger-Energie-Genossenschaft Köllertal lässt ihre Mitglieder gegenseitig Solarstrom beziehen; abgewickelt wird das über den Dienstleister WeShareEnergy. Das Angebot ist 2026 gestartet und steht nur BEG-Mitgliedern offen – mit ausführlichem FAQ zu Zählern, Reststrom und Abrechnung.
  • EEG Hellweg-Sauerland eG (Nordrhein-Westfalen)
    Die Genossenschaft bietet Energysharing bereits seit Anfang 2025 an, ebenfalls mit WeShareEnergy als Lieferant im Sinne des EnWG. Wie das praktisch läuft, zeigt ihr Praxisvortrag vom 10. März 2026 (PDF).

Was dafür nötig ist – und was noch fehlt:

  • Ein Netzgebiet oder ein Bilanzkreis. Im ursprünglichen Modell des § 42c EnWG organisiert der Verteilnetzbetreiber die Gemeinschaft; geteilt werden darf dann nur innerhalb seines Netzgebiets, ab 2028 auch in angrenzenden. Mit ihrer Mitteilung Nr. 73 vom 7. Juli 2026 hat die Bundesnetzagentur einen zweiten Weg beschrieben: Beim Bilanzkreismodell organisiert der Stromlieferant oder Direktvermarkter das Teilen über seinen eigenen Bilanzkreis – damit entfallen die geografischen Grenzen des Netzgebiets. Die Behörde leitet daraus allerdings ab, dass für die Netzbetreiber keine zusätzlichen Umsetzungspflichten entstehen – und genau das ist umstritten.
  • Intelligente Messsysteme. Im Netzbetreiber-Modell brauchen Erzeugungsanlage und alle Abnahmestellen einen Smart Meter mit Viertelstundenwerten – erst ein kleiner Teil der deutschen Zählpunkte ist so ausgestattet. Das Bilanzkreismodell steht auch Haushalten mit Standardlastprofil offen und umgeht damit den größten praktischen Engpass.
  • Verträge. Im Netzbetreiber-Modell braucht jede Abnahmestelle zwei Verträge – einen Liefer- und einen Nutzungsvertrag. Beim Bilanzkreismodell liegt die Abwicklung beim Anbieter.
  • Keine Vergünstigung bei den Netzentgelten. Netzentgelte, Umlagen und Abgaben fallen in beiden Modellen in voller Höhe an; anders als etwa in Österreich gibt es bislang keinen Rabatt fürs lokale Teilen. Die Wirtschaftlichkeit muss deshalb im Einzelfall gerechnet werden.

Unser Fazit: Das Bilanzkreismodell räumt praktische Hürden ab – es verlagert die Verantwortung aber vom Netzbetreiber zum Stromanbieter. Das Bündnis Bürgerenergie kritisiert die Entscheidung deutlich: Wenn die Bundesnetzagentur das gesetzliche Beteiligungsrecht auf ein klassisches Liefermodell reduziere, lasse sie Bürgerenergiegemeinschaften „im Regen stehen“, sagt Harald Uphoff – aus Energy Sharing werde dann bloßer Stromhandel statt gemeinschaftlicher Nutzung. Der Verband fordert, die Netzbetreiber zur praktischen Umsetzung zu verpflichten. Für uns bleibt es damit beides: ein Fortschritt auf dem Papier und eine Baustelle in der Praxis. Und es hängt daran, ob Lieferanten auch kleine Anlagen wirtschaftlich vermarkten können.

Hintergrund zum Bilanzkreismodell (pv magazine, 28.07.2026)
Die Kritik des Bündnis Bürgerenergie (09.07.2026)

Wo Sie mehr erfahren

Bürgerwerke: Energy Sharing verstehen
Verständliche Einführung aus der Praxis eines Genossenschaftsverbunds.

DGS: Energy Sharing in Deutschland
Fachlicher Überblick zur Rechtslage – mit kostenlosem Beratungsangebot.

Bündnis Bürgerenergie: Wissen
Materialsammlung des Dachverbands zu Bürgerenergie und Energy Sharing.

Wer die Bürgerenergie bundesweit voranbringt

Wir arbeiten nicht im Alleingang. Diese Organisationen prägen die Bürgerenergie in Deutschland – bei ihnen finden Sie Beratung, Musterverträge, Studien und Ansprechpartner:innen:

Sola(r)wi: Was können Solawis und Bürgerenergie voneinander haben?

In unserem Projekt Sola(r)wi fragen wir gemeinsam mit dem ZALF Müncheberg, wie Solidarische Landwirtschaft und Bürgerenergie zusammenarbeiten können. Beide Bewegungen organisieren Wirtschaften gemeinschaftlich statt über den Markt allein – die eine beim Gemüse, die andere beim Strom. Und beide brauchen Flächen. Wo sich das begegnet, ist Agri-Photovoltaik: Eine mögliche Kooperationsform wäre: Eine Genossenschaft finanziert die Anlage, ein Solawi-Betrieb bewirtschaftet die Fläche darunter weiter – die Mitglieder beider Seiten profitieren. Was das rechtlich, wirtschaftlich und praktisch bedeutet, arbeiten wir mit Höfen und Genossenschaften in Brandenburg heraus.

Mehr zu unseren Projekten „Solare Ernte“ und „Sola(r)wi“

Bürgerenergie in Brandenburg mitgestalten

Wollen Sie die Bürgerenergie in Brandenburg mitgestalten? Wenden Sie sich an eine Energiegenossenschaft in Ihrer Nähe; informieren Sie sich hier und anderswo weiter – und fordern Sie von der Politik eine bessere Unterstützung (statt des Ausbremsens) der Bürgerenergie! Und helfen Sie unserem Verein gerne bei der Bildungs- und Vernetzungsarbeit!
PS: Ihr eigenes Wissen können Sie ein bisschen in unserem Bürgerenergie-Quiz auf der Startseite testen! Viel Spaß!